07.11.2017

Spatenstich für das erste energieautarke Mehrfamilienhaus in Niedersachsen

Mit der Errichtung des ersten energieautarken Mehrfamilienhauses in Niedersachsen leistet die SPAR + BAU Pionierarbeit in Sachen "Zukunftsorientiertes Wohnen". Das auf der Bismarckstraße 33 entstehende Sechsparteienhaus verfügt neben einer hochgedämmten Gebäudehülle über Photovoltaik- und Solarthermieanlagen sowie eine ausgeklügelte Haustechnik, die die Wohnungen mit selbst produzierter Energie und Wärme versorgt. Die zukünftigen Mieter müssen daher keine Betriebs- und Heizkosten, sondern lediglich eine verbrauchsunabhängige Pauschalmiete zahlen.

Welche Bedeutung dieses Projekt für die Wohnungswirtschaft hat, wurde am 6. November 2017 auch beim Spatenstich deutlich. Das Vorstandsduo der SPAR + BAU, Dieter Wohler und Peter Krupinski, konnte zu diesem Anlass gemeinsam mit den Aufsichtsratsmitgliedern Matthias Rösner, Achim Berthold, Jan Alter und Dr. Alexander Naraschewski den Direktor des Verbandes der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft in Niedersachsen und Bremen e. V., Heiner Pott, und den Energieexperten Prof. Dipl.-Ing. Timo Leukefeld begrüßen, die extra aus Hannover bzw. Freiberg (Sachsen) angereist waren.

Verbandsdirektor Heiner Pott lobte die Genossenschaft für ihr unternehmerisches Engagement: "Wir waren vom Konzept überzeugt, aber natürlich braucht man auch einen tatkräftigen Investor." Pott erinnerte daran, dass der Realisierung dieses Vorzeigebaus zahlreiche, teils schwierige Gespräche und Verhandlungen mit verschiedenen Landesministerien vorausgegangen waren. "Vielleicht war unser Ansatz zu innovativ. Jedenfalls passten wir in kein bestehendes Förderschema", so der Verbandsdirektor.

Doch abschließend könne man sagen: "Alle reden über Klimaschutz im Wohnungsbau - wir schaffen mit dem ersten energieautarken Mehrfamilienhaus in Niedersachsen jetzt eine Pionierleistung."

Im Winter 2018 sollen bereits die ersten Mieter in die jeweils rund 90 Quadratmeter großen Wohnungen einziehen können.

"Wir freuen uns, dieses außergewöhnlich spannende Projekt realisieren zu können und sind uns sicher, dass auch der Standort Wilhelmshaven hiervon profitieren wird", so Dieter Wohler und Peter Krupinski von der SPAR + BAU.

Technische Daten zum energieautarken Mehrfamilienhaus:

"Energieautark", was bedeutet das? Das Mehrfamilienhaus erhält eine hochgedämmte Gebäudehülle sowie eine innovative Haustechnik. Das Dach, die Balkonbrüstungen und Fassadenteile sind mit Photovoltaik- und Solarthermieflächen ausgestattet. Der auf diese Weise erzeugte Strom wird in Akkus gespeichert, die gewonnene Wärme versorgt einen ca. 20.000 Liter großen, zentral im Haus eingebauten Warmwassertank mit Wärmeenergie. Die Hausbewohner können diese Energiespeicher bei Bedarf "anzapfen". Erzielte Strom- und Wärmeüberschüsse werden die angrenzenden Mehrfamilienhäuser Bismarckstraße 35 und 37 teilweise mitversorgen. Zusätzlich kann die gewonnene Strommenge zum Laden von E-Bikes oder E-Autos genutzt werden. Hierfür werden zwei Ladesäulen auf Parkplatzflächen neben dem Objekt installiert.

Was sich so nüchtern und sachlich anhört, ist eine Ingenieursleistung, die in der Wohnungswirtschaft bislang ihres Gleichen sucht. Die Vorarbeiten waren entsprechend umfangreich. Unter anderem hat Prof. Leukefeld eine ganzjährige Verschattungsanalyse erstellt, um die optimale Ausrichtung der Solarkollektoren zu gewährleisten. Die komplette energetische und gebäudetechnische Planung wurde durch das Ingenieurbüro Mantay Wilhelmshaven erstellt.

Das Haus wird im KfW-40-Plus-Standard erstellt. Prof. Leukefeld hat den "Autarkiegrad" des Gebäudes, also die Unabhängigkeit von der konventionellen Energieversorgung mit annähernd 70 Prozent berechnet.

Die beheizte Gesamtwohnfläche beträgt 500 Quadratmeter. Der vom Büro Mantay ermittelte spezifische Heizwärmebedarf liegt bei 21,9 Kilowattstunden pro Quadratmeter. Der jährliche Endenergiebedarf inkl. Wärmeverlusten wird mit rund 22.500 Kilowattstunden angegeben. Durch solare Nutzung werden davon ca. 13.000 Kilowattstunden abgedeckt. Die Wärmekosten für das gesamte Haus belaufen sich demnach auf etwa 550 Euro im Jahr.

Die anfallenden Stromkosten wurden mit rund 2.000 Euro pro Jahr berechnet. Die Kosten sollen über eine Pauschalmiete abgerechnet werden.

Vorstand und Aufsichtsrat der SPAR + BAU mit Prof. Leukefeld und Verbandsdirektor Pott beim Spatenstich